Vortrag zum Thema Dirnen, Frauenhaus und freie Prostitution

am 13.01.2012 im Losament

Recht zahlreich sind die Zuhörer und Zuhörerinnen im Losament erschienen. Mit großem Interesse hörten wir Hermanns Ausführungen von den Anfängen und der Entwicklung der Prostitution von der Antike bis zur frühen Neuzeit.

Die Sichtweise der vorchristlichen Kulturen zum Frauenbild wurde durch die “neue europäische Kultur“, die sich im 9. Jahrhundert formierte, vorbehaltlos übernommen.

Die Meinung des Griechen Aristoteles “Der Mann ist von Natur aus überlegen und die Frau unterlegen, der eine herrscht, der andere wird beherrscht” bleibt bis ins 16. Jahrhundert bestehen.

Gewerbliche Prostitution gehört zum Erscheinungsbild jeder entwickelten Gesellschaft – Sie bedingt jedoch ein bestimmtes Maß an Urbanität, Mobilität und Geldwirtschaft und entwickelte sich demzufolge in den werdenden Städten dieser Zeit. Die Ausbildungszeiten in den Zünften waren extrem lang so dass eine Ehe oft erst spät im Leben geschlossen werden konnte. Nur etwa 30% der Bevölkerung konnten überhaupt auf eine Heirat hoffen. Jungfräulichkeit war undiskutierbar, eine Frau, die nicht mehr jungfräulich war hatte keine Chancen auf dem Heiratsmarkt. In der frühen Neuzeit kam ein Frauenüberschuss hinzu, auf 1475 Knechte kamen 1855 Mägde.

Über sexuelle Praktiken ist wenig bekannt, zu vermuten ist allerdings, dass für den Geschlechtsverkehr die gleichen Regeln galten wie in der spätmittelalterlichen Gesellschaft überhaupt. Von der Missionarsstellung abweichende Stellungen wurden als Delikte angesehen und verfolgt.

Armut, Kuppler und Kupplerinnen sorgten dafür, dass etliche Frauen mehr oder weniger freiwillig Ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdienten. Die Prostituierte des späten Mittelalters war eine in die städtische Gemeinschaft eingegliederte Person, sie war nicht nur geduldet sondern akzeptiert und institutionalisiert. Dirnen hatten ihren festen Platz in der Gesellschaft und wurden bei feierlichen Anlässen gerne von der Obrigkeit herangezogen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts setzte sich die Zuordnung von Kleidung und Stand allgemein durch. Die “lasterhaften Frauen” wurden durch infamierende Kennzeichen stigmatisiert bzw. wurde ihnen das Tragen bestimmter Kleidungs- und Schmuckstücke untersagt. Jede Stadt legte ihre eigene Regelung fest, generell galt jedoch grün als Farbe des Teufels und der Hexen, rot verkündete Lebensfreude und mit gelb wurden schon seit jeher Randgruppen gekennzeichnet.

Frauenhäuser wurden nach festen Regeln von Frauenhauswirten geführt. Sie waren im Besitz und unter Aufsicht der Obrigkeit. Früheste Gründungen waren Anfang des 14. , letzte im 16. Jahrhundert. Im Süden Deutschlands gab es deutlich mehr Frauenhäuser als im Norden, es gab also ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Die Standorte waren bevorzugt an der Stadtmauer, in Nachbarschaft zum Henker und anderen anrüchigen Berufsgruppen oder an den Fernstraßen, die an der Stadt vorbeiführten. Ein Frauenhauswirt stand zwar außerhalb der Gesellschaft, konnte jedoch mit seinem Gewerbe viel Geld verdienen. Für viele Männer war der Besuch des Frauenhauses untersagt, so durften verheiratete Männer, Juden und Kleriker das Etablissement nicht besuchen. Für Reisende wurde jedoch generell eine Ausnahme gemacht. An Feiertagen waren die Häuser geschlossen. Die Frauen wurden in der Regel vom Frauenhauswirt mit Kleidung und Schmuck ausgestattet, verschuldeten sich dadurch aber so sehr, dass für sie praktisch keine Chance bestand aus dem Gewerbe herauszukommen.

Das Auftreten der Syphilis gegen Ende des 15. Jahrhunderts sowie die von Paracelsius dargestellte Krankheit und der Übertragungswege waren nicht unbedingt die Auslöser zur Schließung der Frauenhäuser. Vielmehr war der moralische Feldzug der Reformation mit der klaren Absage an das über Jahrhunderte wirkende Konzept des großen Kirchenlehrers Aurelius Augustinus (354-430) der eigentliche Tod der Frauenhäuser.

Insbesondere in den Landsknechtsheeren war die Prostitution ein wichtiger Bestandteil, obgleich immer wieder versucht wurde, die Dirnen aus den Landsknechtstrossen herauszuhalten. Die Regeln und Preise für die Lagerdirnen wurden von den Feldordnungen festgelegt und durch den Profos oder Schultheis überwacht. Die Frauen erhielten einen Grundlohn der sich aus Straf- und Bußgeldern finanzierte, die der Profos den Landsknechten für bestimmte Vergehen auferlegte. Der Kriegsherr hatte generell nichts mit der Finanzierung des Trosses zu tun, er bezahlte lediglich die Kämpfer, die dann wiederum die Dienstleistungen des Trosses gegen Bezahlung in Anspruch nahmen.

Im Anschluss an den Vortrag wurde lebhaft über eine Umsetzung des neu gelernten am nächsten Peter-und-Paul-Fest diskutiert. Die Meinungen gingen bei diesem Thema erwartungsgemäss stark auseinander.

Autor: Hermann Fülberth, Birgit Kafka

Für angemeldete Mitglieder steht unter dem Menüpunkt Intern | Texte der komplette Vortragstext zum Download zur Verfügung.