Trossfrauen

Mit Aufkommen der Söldnerheere gab es natürlich auch Frauen, die dem Heer im Tross folgten. Die damals übliche Bezeichnung war „Dirne“ oder „Metze“. Da wir uns aber des moderneren Sprachgebrauchs bedienen möchten, bezeichnen wir unsere Frauen als „Trossfrau“ oder „Trosserin“.

Die Pflichten einer Frau, die sich einem Landsknecht anschließen will, sind durch den Nürnberger Künstler Erhard Schön in einem um 1530 entstandenen Holzschnitt überliefert.

„Wol auff mit mir du schönes weyb
Mitt mir bey den lantzknechten bleyb
Den mustu zwahen hemmat waschen
Und mir nach tragen sach unn flaschen
Und wo ich mag erlangen preyß
Das must behalten due mit fleyß
Wann wir dann kommen von dem hauffen
Das wir die pewt mögen verkaufen.“

Die Frau, die dem Landsknecht hier als Gefährtin folgen soll, soll also regelmässig seine zwei Hemden waschen, ihm Rucksack und Flasche überall nachtragen und die Beute bewahren, bis sie verkauft werden kann. Vor allem die letzte Aufgabe setzt ein gewisses Vertrauensverhältnis voraus. Wir stellen zwar Landsknechte früherer Zeiten dar, aber die obigen Aufgaben dürften aller Wahrscheinlichkeit auch im Zeitraum von 1490-1525 zutreffend sein.

Des weiteren waren die Frauen für die Essenszubereitung zuständig. Dafür mussten Holz und Lebensmittel herbeigeschafft werden. Sie wuschen, nähten und flickten die Kleidungsstücke und hielten die Schlafstätte sauber. Sie halfen beim Lageraufbau und wurden zu Schanz- und Latrinenarbeiten eingesetzt. Die Wundversorgung war ein wichtiger Bereich, manch ein Landsknecht verdankte sein Leben den medizinischen Kenntnissen seiner Gefährtin und auch die Körperpflege gehörte zum damaligen Leben. Kinder wurden geboren und mussten betreut werden und wenn Tiere vorhanden waren, mussten auch diese von den Frauen versorgt werden. Nach der Schlacht gingen die Frauen natürlich auch über das Schlachtfeld um zu plündern.

Am Rande des Kriegsgeschehens waren die Frauen den gleichen Gefahren ausgesetzt, wie die Landsknechte selbst. Die Angehörigen des Trosses wurden vom Gegner als Feind gesehen und entsprechen behandelt. Gefangene Trosserinnen wurden oft grausam zugerichtet und in verstümmeltem Zustand wieder ins eigene Lager zurückgeschickt.

Quelle: Christiane Andersson – Landsknechte, Soldatenfrauen und Nationalkrieger, herausgegeben von Karen Hagemann und Ralf Pröve.

Trossfrauen bei uns

Trossweiber haben bei uns verschiedene Funktionen. Sie sind Sudlerin (siehe Sudlerei), Marketenderin (siehe Marketenderei), Pfeife (siehe Spiel) Kräuterfrau oder einfach nur die Gefährtin eines Landsknechtes.

Die bereits seit einigen Jahren bestehende Rotteinteilung der Landsknechte soll in 2011 erstmals auch auf die Trossfrauen übertragen werden. Sie werden den Rotten zugeteilt und sprechen sich untereinander ab. Von den oben aufgezählten Aufgaben der Trosserinnen eignen sich nur einige zur Darstellung.

Im Rotten-Verband helfen die Frauen beim Rüsten der Männer und übernehmen gegebenenfalls die Verantwortung für Hab und Gut. Die Getränkeversorgung bei Auftritten muss sichergestellt sein und ist rottweise abzustimmen. „Wunden“ sollen mit präparierten Verbänden versorgt werden und Verletzte werden gestützt. Bei Umzügen tragen Frauen Kiepen, Bündel oder auch nicht benötigte Rüstungsteile, Wanderstöcke bereichern das Gesamtbild. Wenn die Männer in der Schlacht sind, flicken und waschen die Frauen beschädigte und beschmutzte Kleidungsstücke. Diese müssen natürlich von den Landsknechten auch übergeben werden. Die „Bezahlung“ für diese Dienstleistungen sind von den Beteiligen frei verhandelbar und können stark variieren, je nach Aufgabe, Charme des Landsknechtes und Willen der Trosserin.

Es ist geplant, mehrere Veranstaltungen zu Trossfrauentätigkeiten gruppenintern zu organisieren. Es werden Koch- und Nähkurse abgehalten. Vorträge zu Themen wie Kräuter, Schmuck, historische Spiele und Prostitution in der frühen Neuzeit sind geplant. Natürlich sind auch interessierte Männer herzlich willkommen.

Autor: Birgit Kafka