Landsknechts-ABC

Zum Jubiläum „55 Jahre Landsknechtsgruppe Bretten“ und „30 Jahre Verein Landsknechtsgruppe – Bretten 1504 e.V.“ erschien im Jahr 2008 das Landsknechts-ABC.

Im Jahre 1953 wurden durch die Festleitung des Peter-und-Paul-Festes „Landsknechte“ ins Leben gerufen, um die noch vorhandenen romantischen Vorstellungen von Lagerfeuer und Söldnerleben positiv zu besetzen. Während den ersten Jahren war die Gruppe mehr oder weniger eine reine Festgruppe ohne eigene Struktur und Zielsetzung. Erst Anfang der 1960er Jahre wurde erfolgreich von der Festleitung das Eigenständigwerden der Gruppe vorangetrieben. Hieraus entwickelte sich dann die Struktur der Gruppe. Neben der Darstellung im Festzug (zwanzig Männer unter Waffen waren damals schon eine große Gruppe) wurde immer auch das Lagerleben auf dem Marktplatz bestritten. Da es in dieser Zeit sicher nicht Mode war, sich geschichtlichen Darstellungen anzunehmen, musste man daher fast alle Ausrüstungsgegenstände wie Kleidung, Waffen, etc. selbst anfertigen.

Die Gruppe wurde sehr eigenständig, was die Vorstandschaft der Vereinigung Alt-Brettheim bis heute spürt. In der Gruppe wurden im Laufe der Jahre immer mehr Wissen und Fähigkeiten rund um die Landsknechte, die Zeit des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit angesammelt, umgesetzt und dargestellt. Neben der rein praktischen Tätigkeit der Kampfdarstellung wurden und werden die Sammlung und Interpretation der geschichtlichen Quellen nicht vernachlässigt. Insbesondere werden die Gemälde und Zeichnungen als Vorlagen für die Kostüme und Gwänder immer wieder neu interpretiert.
So hat sich eine Mode der Landsknechtsgwänder von 1953 bis 2008 entwickelt, obwohl doch jedes Mal die gleichen Quellen zur Verfügung standen. Aber nicht nur bei den Gwändern hat die Gruppe immer wieder Neuland betreten, sondern auch bei der Darstellung des mittelalterlichen Lebens der Landsknechte und auch der Stadt. So ist besonders die Entwicklung am Ende der 1970er Jahre zu nennen, bei der die Landsknechte Vordenker und auch Vorkämpfer waren, um dem Peter-und-Paul-Fest eine historisch begründete, mittelalterliche Prägung zu verschaffen. Aus diesen Anfängen hat sich das heutige mittelalterliche Fest entwickelt. Die Darstellung wurde in dieser Zeit vom Mitlaufen beim Fest, über das Regiment der Landsknechte auf dem samstäglichen Marktplatz, bis zur Schlacht beim Simmelturm mit den zugehörigen Aufmärschen und Präsentationen auf dem Marktplatz immer mehr ausgebaut. Prägend war der Einsatz der Gruppe auch beim Jubiläumsjahr 2004 mit der Mitarbeit an Konzept und Ausführung des Festes. Neben dieser Teilnahme am Fest hatten wir fast zu allen Zeiten auch einen Ausschank am Fest. Beginnend mit Spießbraten und Fassbier am Marktbrunnen, über das samstägliche Lager vor dem Beyle-Haus, der Bewirtung des Kellers, bis zum heutigen Ausschank im Amtshof hatten wir eine Einnahmequelle, die uns unsere Eigenständigkeit
auch ausleben ließ. Aber nicht nur am Fest selbst waren und sind wir aktiv. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre haben sich die Ausfahrten der Landsknechte entscheidend gewandelt. Zu Beginn der 1960erJahre war ein Wochenende bei der Bellremgilde in Dillweißensten (bei Pforzheim) der Höhepunkt des Landsknechts-Jahres. Heute dagegen haben wir befreundete Gruppen und Feste nicht nur in der näheren Umgebung, nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten europäischen Raum. Von der Entwicklung getrieben mussten wir 1978 unseren lockeren Gruppenverbund relativ widerwillig, aber auch einsichtig, in die engere Vereinstruktur umwandeln. Diese Vereinsmeierei
hat unserer Streitkultur aber nicht geschadet. Eine Mitgliederversammlung der Landsknechte hat sicher was Urdemokratisches. Trotzdem sind wir kein Debattierklub, sondern wir setzen dann meistens die Beschlüsse gemeinsam recht zügig um. All das funktioniert natürlich nur, wenn jeder Einzelne seinen Teil findet, verwirklicht und der
Spaß am Tun erhalten bleibt. Aber ich glaube, das ist bei der vorhandenen Vereinsstruktur nicht fraglich. Wie man den Texten des Lansknechts-ABC entnehmen kann, sind wir sicher bereit uns in Frage zu stellen, über uns selbst zu lachen, Fehler zu verzeihen. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass momentane Glaubenskämpfe über historische Interpretationen mit aller zur Verfügung stehenden Emotion geführt werden. Langweilig war es sicher noch nie, ein Landsknecht oder eine Marketenderin zu sein. Diese Freude drückt sich in den Texten des ABCs aus, die durch verschiedene Personen mit verschiedensten Vereinshistorien geschrieben worden sind.
Aber so ein Projekt braucht natürlich einen Kopf, jemand der an die Sache glaubt, es haben will und es vorantreibt. Für das Landsknechts-ABC war es Birgit Kafka.

Danke.
Peter Beyle
1. Vorstand